Archiv

impressionen

…es geht auch anders!

oder wer sagt, dass es keine vorgefertigten Weidenbögen gibt, hat den falschen Businessplan 😉

 

Heute habe ich (Sebastian)  mit Tom Himmelgrün (http://www.tomhimmelgruen.at/) und seinem Team in Wien eine Weidenkuppel aufgebaut.

(Süßenbrunner Straße, Hirschstetten)

Für mich war es eine ganz neue Erfahrung auf solch rationelle Weise eine Weidenstruktur zu errichten.

Es ging nicht darum, mit Freiwilligen gemeinsam ins Tun zu kommen oder neben dem Bauwerk auch Zwischenmenschliches und neue Ideen und Perspektiven entstehen zu lassen

-es ging um ein Produkt : 1x Weidenkuppel 11m Durchmesser

Sozialromantik (von der ich auch des öffteren gerne befallen bin) ist hier nicht angesagt

Fragen an die Kundschaft wie:

-haben Sie vielleicht selbst die Weiden?

-ja wer macht den mit von Euch, gibts freiwillige Helfer?

-das muss man zweimal Täglich gießen, haben Sie eh eine Gießkanne?

oder gar

-naja was würden Sie mir gerne dafür geben, was ist es Ihnen Wert?

lassen sich nicht so leicht verkaufen.

Der richtige Businessesplan fängt daher beim Auftreten an. Schnittiger Anzug und schnittiges Auto gehören natürlich auch dazu…  dann kann man auch ohne bedenken 150€ für ein Beratungsgespräch verlangen  …beim richtigen Auftreten erscheint das sogar als billig.

Auch will man sich nicht um die Bewässerung kümmern, das gehört automatisiert und Weiden, auch wenn die Kundschaft hinter dem Haus eine Weidenplantage hätte, wäre es ihr lieber sie werden geliefert und auch wenn es 10€ pro Rute kostet. Mit dem richtigen Etikett wirkt  auch das günstig.

 

Der Auftrag stand im Vordergrund die Freude und der Spaß am gemeinsamen Werken aber darüber !

 

Mir hat es großen Spaß gemacht und ich habe mir viele Anregungen mitnehmen können.

Angefangen, dass man die Weidenstrukur (z.B. wenn sie nicht gut anwächst) mit vorgezogenen Schlingpflanzen ergänzt (Efeu…)

oder gleich Heimbuchen pflanzt und einen barocken Garten mit Toren,Kuppeln und Labyrinthen erwachsen lässt

(http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Buchen_Schloss_Schwetzingen_02.JPG),

bis hin dazu die Bewässerung zu automatisieren oder wie man Naturbau verkaufen kann.

 

Die obige Business-Geschichte ist natürlich etwas überspitzt wobei sie auch ihren Wahrheitsgehalt hat.

Tom Himmelgrün auf jeden fall ist ein Fachmann auf seinem Gebiet Gartengestaltung und Co

und hat auch Freude am Sozialromantischen solange es nicht ausartet 😉

 

Man soll sich immer bewusst machen warum man macht was man macht und wohin man damit will.

Der Gedanken unseres Kollektivs und der des Business können sich sicher gegenseitig ergänzen  -ein versuch ist es wert!

 

kommt vorbei wir stampfen gerade! Wetter ist toll – mehr kann man sich nicht wünschen.

Warum wir tun, was wir tun?

Sebastian Mayer:
„Für mich steht bei diesem Projekt an erster Stelle, das Iris, Markus und ich, gemeinsam arbeiten, die Idee (ohne lange zu fragen) umsetzen.
Mir geht es auch um die Verbreitung der „baustelle demokratie“, neue Kontakte knüpfen oder auch die Idee gemeinsam weiterdenken… weiterbauen!?
Zu zeigen, wie einfach man, mit dem fast überall vorhandenen Material Lehm, eine Bank, eine Mauer oder auch ein Haus bauen kann.
Es ist das erstes Projekt von „baustelle demokratie“.“

Iris Nöbauer:
„Es gibt so viele öffentliche Plätze in Linz – viele mit tollen unentdeckten Qualitäten, manche bei denen die Qualitäten nicht so genutzt werden wie sie es könnten. Ich fände es einfach schön wenn die Stadt belebter wird und echte qualitative Aufenthaltsräume geschaffen werden, wo man sich treffen kann auch ohne zu konsumieren. Heute wollen wir einfach mal darauf aufmerksam machen wie einfach es ist sich ein eigenes „Nest“ zu schaffen, mit Spaß und im Team. Danach noch gemeinsam zusammenzusitzen und darüber zu sprechen was wir in Zukunft alles so machen können! Lehm ist ein tolles Material und unsere Bank ist ein kleines Zeichen dafür, hoffentlich kann unser Projekt wachsen, bis es sich sogar eventuell in einem Haus formulieren kann.“

(inartsanddesign.wordpress.com)

Markus Luger
„Warum ich mache, was ich mache:
Demokratie braucht Räume. Öffentliche und offene Räume. Wir schaffen gemeinsam diesen Raum an dem man Diskutieren, Sinnieren und sich wohl fühlen kann (ohne konsumieren zu müssen)
Ich denke also bin ich. Schön und gut, aber Mensch muss auch etwas mit den Händen anfangen können. Manuelle Arbeit bringt Schwung, Schweiß und vielleicht auch Schwielen. Meine Erfahrung: Mit den Händen etwas schaffen erfüllt mich auf vielen Ebenen … und ihr könnt mitmachen!
Der Alltag unserer Gesellschaft ist aus Plastik und Stahl gebaut. Wie wundersam entrückt wirkt da der Baustoff Lehm. Lokal und ressourcenschonend birgt er Möglichkeiten die wir längst vergessen haben. Er will erprobt werden. Lasst uns stampfen!“

( www.markusluger.at)

erste Impressionen:

Eindrücke aus der Praktikumszeit in Frankeich

von Iris Nöbauer, am 27. Juni 2013

 

„Für eine bestimmte Zeit das Material Lehm oder Erde jedn Tag in der Hand haben – in verschiedenen Qualitäten. Endlich ein Gefühl dafür entwickeln – sagen zu können: zu feucht, zu trocken – das zu lernen ist mein Ziel.

Ein Bewusstsein für diesen Baustoff, der mich so sehr fasziniert zu bekommen – auch ein bisschen den Respekt abzulegen, die Angst etwas falsch zu machen. Eigentlich ist das ja ein sehr dankbares Material, man kann immer ausbessern und es notfalls einfach ganz neu machen. Das tut vielleicht weh und dauert länger, aber man lernt dabei. Das ist aber das Denken der heutigen Zeit: alles muss möglichst schnell gehen, Fehler sind nicht einkalkuliert und deshalb unleistbar. Dabei ist das so oft nicht zielführend – am schnellsten kann ich bestimmt mein Haus aus Beton aufziehen, aber viele andere Aspekte, eigentlich die (mir) wichtigeren, werden dadurch nicht erfüllt: Graue Energie, Klima, Luftfeuchtigkeit, Rückführbarkeit, Nachhaltigkeit uvm.

Ich bin unglaublich froh über die Erfahrungen die ich hier machen darf, aber meine Entscheidung – eigenes Haus bauen oder einen alten Hof renovieren – erleichtert es nicht gerade. Ich sehe auf jeden Fall, dass neue Häuser auch Charakter haben können und das finde ich sehr schön. Aber das merkt man auch einfach an der Arbeitszeit die investiert wird. Alte Häuser haben sicher viel von ihrem Flair, weil so viel Handarbeit in ihnen steckt.

Zum Glück hab ich noch Zeit bis ich ein Haus baue oder renoviere, jetzt kann ich erstmal Erfahrungen sammeln… und das wird spannend! „